Die Museums-Förderstiftung sorgt dafür, dass  herausragende Kulturgüter öffentlich gezeigt werden, in einer angemessenen Umgebung und im Kontext der Kunst- oder Kulturgeschichte.

PIERRE-AUGUSTE RENOIR

„La ferme des Collettes, Cagnes“ oder „Les Maroniers“

um 1910-14, Öl auf Leinwand, 46,7 x 55,5 cm

im Schlesischen Museum zu Görlitz

2020 konnte die Museums-Förderstiftung das Gemälde „La ferme des Collettes, Cagnes“ von Pierre-Auguste Renoir aus dem Nachlass der „Stiftung Eva Cassirer“ erwerben und dem Schlesischen Museum zu Görlitz als Dauerleihgabe anvertrauen.

Pierre-August Renoir, „La ferme des Collettes, Cagnes“ oder „Les Maroniers“, um 1910-14, Öl auf Leinwand, 46,7 x 55,5 cm

Ein Teil der weitverzweigten, über die Generationen dennoch eng kooperierenden jüdischen Familie Cassirer, aus Breslau stammend, siedelte in der 2. Hälfte des 19. Jh. über Görlitz nach Berlin um. Hier gelang ihr ein rasanter ökonomischer und gesellschaftlicher Aufstieg. In der zweiten Generation prägten der Unternehmer Alfred Cassirer, seine Brüder Paul (Kunsthändler) und Richard (Neurologe) sowie sein Cousin, der Verleger Bruno Cassirer in den 1920er Jahren das kulturelle und geistige Leben maßgeblich mit.

Unser Bild stammt aus der in dieser Zeit zusammengetragenen Sammlung von Alfred Cassirer (+1932), die unter den Privatsammlungen in Berlin durch die unterschiedlichen Schwerpunkte (von Teppichen des 16. und 17. Jahrhunderts über ausgewähltes Porzellan bis hin zu einer hervorragenden Impressionisten-Sammlung) einen besonderen Rang einnahm. Das Gemälde wurde 1933 im Ermeler-Haus – zum Märkischen Museum Berlin gehörig – in einer umfangreichen Ausstellung mit 86 Gemälden, Zeichnungen und hochwertiger Graphik aus dem Nachlass von Alfred Cassirer gezeigt; Im Herbst 1933 wurde diese kurzfristig geschlossen. Als ‚Depositum Cassirer‘ wurde das Gemälde zusammen mit anderen Arbeiten aus dieser Sammlung ab 1936 im Kunstmuseum Basel bis 2010 aufbewahrt und ausgestellt.

Zum Bild:
Renoir hinterließ in den fast 60 Jahren seines Schaffens ca. 6000 Ölgemälde. Den weitaus größten Anteil darin nehmen Motive wie Akte, Portraits, feierliche Ereignisse, das Familienleben, größere Menschengruppen ein: Stillleben kommen immer wieder, wenngleich nur in kleinerer Zahl darin vor. Erst in seiner letzten Schaffensperiode, die mit seiner Übersiedlung nach Südfrankreich 1895 beginnt, entstanden eine größere Zahl an Landschaftssujets in größeren (ca. 45 x 60 cm) und kleinen (ca. 20 x 30 cm) Formaten. Diese Bilder sind farbiger, mit deutlich weniger Farb-Konturen und zugleich mit einer weicheren, skizzenhafteren Pinselführung.

1907 hatte Renoir das Gut Les Collettes in Cagnes-sur-Mer unweit von Nizza erworben. Im Herbst 1908 bezog er sein neugebautes Atelier- und Wohnhaus direkt neben der alten Ferme. Das Anwesen mit seinem malerischen Bauernhaus, den Oliven- und Orangenhainen und der Blick auf die umgebende hügelige Landschaft wurden zu Hauptmotiven seiner späten Landschaftsbilder. 

In dieser späten Schaffensphase (1908-1915) ist eine Werkgruppe von bis zu 15 Gemälden entstanden, die im Sujet unserem Bild gleichen: der Blick auf die Ferme, die halb hinter Bäumen verborgen ist; in einigen Bildern – so auch hier –ist eine schemenhaft erkennbare Person im Bildmittelgrund zu erkennen.  

Ungefähr die Hälfte der Gemälde aus dieser Werkgruppe befinden sich in öffentlichem Besitz wie zum Beispiel im Metropolitan Museum, New York, der Barnes Collection, Philadelphia und in der Sammlung des Renoir Museums, Cagnes (4-5 Bilder).